TV-Interview mit dem Vorsitzenden von BASUG

Channel I, Interview durchgeführt von Anonno Sristi/Unique Creation Audio Vision

Programm: Bekannte Bangladeshis im Ausland

Bikash Barua, sozialer Aktivist und Experte, Den Haag, Niederlande

Arun Chowdhury: Herr Barua, wie Sie wissen, leben viele Bangladeschische Menschen in vielen Ländern der Welt. Sie arbeiten in verschiedenen Branchen und verbessern das Image des Landes. Sie und Ihre Organisation arbeiten zum Thema Rücküberweisung und wie die Überweisung mit einem besseren Ergebnis investiert werden kann. Könnten Sie bitte zuerst etwas darüber sagen?

Bikash Chowdhury Barua: Für die Wirtschaft eines Entwicklungslandes wie Bangladesch spielen Rücküberweisungen eine bedeutende Rolle. Die Summe, die wir jährlich aus dem Ausland senden, liegt zwischen 10 bis 12 Milliarden US-Dollar. Das ist eine riesige Menge und sie wird nicht allein über formelle Kanäle überwiesen. Außer über diese Kanäle kommt viel mehr Geld durch informelle Kanäle nach Bangladesch. Deshalb arbeiten wir von BASUG zu diesem Thema. Das ist eine Diaspora-Organisation in den Niederlanden. Anfangs war es eine Kurzform von Bangladesh Support Group. Zu dieser Zeit hatten wir unser Ziel nur Bangladesch. Aber später begannen wir auch mit der sri-lankischen Gemeinschaft und mit vier anderen Ländern in Europa zu arbeiten. Wir arbeiten jetzt mit den bangladeschischen und sri-lankischen Migranten in Frankreich, Italien, Deutschland und den Niederlanden.

BASUG beschäftigt sich seit 2006 mit Fragen zu Heimatüberweisungen. Sie ist die einzige Diaspora-Organisation, deren Ziel die Migranten sind. Wir haben eine Reihe von Schulungen und Workshops zu Rücküberweisungen mit den bangladeschischen und sri-lankischen Migranten organisiert. Das Ziel dieser Schulungen und Workshops war es, die Migranten zu ermutigen, Geld durch die formellen Kanäle zu schicken und die schlechten Auswirkungen des Geldtransfers durch Hundi oder andere illegale Kanäle zu zeigen. In den Workshops haben wir erfahren, dass viele der Migranten aus Bangladesch nicht wissen, welche Vorteile sie von der Regierung haben können, wenn sie Geld durch die formellen Kanäle ins Land schicken. Durch diese Workshops haben wir ihnen die Vorteile der Rücküberweisung durch legale Kanäle erläutert. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse haben wir auch einen Dokumentarfilm produziert, der sich auf die Vorteile des Geldtransfers durch formelle Kanäle konzentriert. Dann drehten wir einen weiteren Dokumentarfilm über die Investition der Rücküberweisungen in die Entwicklung ländlicher Regionen.

Unser Schwerpunkt ist die Entwicklung des Landes durch Heimatüberweisungen. Zum Beispiel: Wenn wir zehn Migranten und deren Überweisungen zusammenbringen und ein größeres Entwicklungsprojekt durchführen, kann es vielfältig Vorteile haben. Der erste Vorteil ist die Entwicklung der ländlichen Gebiete. Zweitens schafft es neue Arbeitsplätze. Drittens ermutigt es die Menschen vor Ort, noch weitere Entwicklungsprogramme auf sich zu nehmen. Es schafft auch einen guten Eindruck in der internationalen Gemeinschaft.

Im Jahr 2005 wurde BASUG in der niederländischen Handelskammer offiziell registriert. Aber davor, im Jahr 1991, hatte eine katastrophale Flut und ein Zyklon Teile unseres Landes zerstört und in dieser Zeit haben wir Hilfsgüter für die Opfer geschickt. Das war unsere erste Initiative aus dem Ausland, unternommen von gleichgesinnten bangladeschischen Migranten. Danach haben wir einige kleinere Projekte wie Kinderbildungsprogramme und Programme zur außerschulischen Bildung umgesetzt. Schließlich haben wir 2005 BASUG als Organisation offiziell gegründet. Dann haben wir mit Oxfam Novib und der Europäischen Kommission zusammen gearbeitet. Seit dem arbeiten wir in der Partnerschaft mit den Mainstream-Entwicklungsorganisationen.

Ich fühle mich persönlich aus tiefstem Herzen als Bangladeschi. Obwohl ich seit etwa 38 Jahren in diesem europäischen Land mit meiner Familie lebe, denke ich immer an meine liebevolle Heimat und schreit meine Seele nach ihr. Ich habe nie vergessen, dass meine Wurzeln dort liegen. Aber patriotische Gefühle zu haben ist nicht genug, das ist nur gerechtfertigt, wenn wir etwas für unsere Heimat tun. Und Gott sei Dank ist alles, was wir durch BASUG tun, freiwillige Anstrengungen sind. Ich habe eine Vollzeitstelle und meine Frau ist auch angestellt. Es ist mein Glück, dass ich hier bereits am Anfang einen guten Job bekam, nachdem ich aus Bangladesch gekommen war. Bevor ich hierhin kam, hatte ich schon als Journalist bei der Bangladesh Times gearbeitet. Ich trat eine Stelle als Journalist bei der IPS [Inter Press Service] an, nachdem ich hierhergekommen war. Das ist sicherlich ein großer Gewinn. Es war neu für mich, als ich in der unbekannten Umgebung und auf einer unbekannten Sprache die Arbeit angefangen habe. Allerdings, da wir alle irgendwie Berufstätig und wir ehrenamtlich tätig sind, können wir die gesamten Zuschüsse, die wir von den Partnerorganisationen erhalten, in Entwicklungsaktivitäten von BASUG hier und in den Heimatländern fließen lassen.

Wir haben ein Projekt mit den Teeplantagen in Hobigonj in der Nähe von Sylhet. Unsere Zielgruppe sind völlig marginalisierte Arme und Tagelöhner. Als wir vor ein paar Jahren dort hingingen, um sie zu sehen, haben sie uns sehr respektiert und uns als sehr großherzige Menschen mit sehr großem Einfluss gesehen. Dann hatte ich das Gefühl, dass noch viel mehr für das Wohlergehen dieser Menschen gemacht werden müsse und ich es täte, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte. Das Gefühl hat mich inspiriert, ein noch größeres Projekt zu starten. Damals waren wir nur in diesem kleinen Teil des Landes, aber jetzt versuchen wir uns trotz unserer begrenzten Kapazitäten und finanzielle Möglichkeiten auf andere Landesteile auszudehnen. Außerdem versuchen wir, auch Menschen aus anderen Ländern für eine solche Entwicklungsinitiative zu begeistern.

Wir arbeiten in einem begrenzten Umfang. Andere Leute sind mit viel mehr Kompetenz und Talent in viel weiterfassenden Bereich aktiv. Aber ich arbeite auf einem sehr kleinen Niveau aus Verantwortung.

Wir versuchen, uns auf die Initiatoren und Unternehmer zu konzentrieren, die mit viel mehr Erfolg arbeiten, den sogenannten Best Practices. Wir setzen jetzt ein Projekt um, die besten Praktiken verschiedener bangladeschischen Migranten hervorzuheben. Mit dieser Initiative wollen wir andere Menschen dazu ermutigen, sich mit ihren Ressourcen für eine solche Entwicklung einzusetzen. Wir haben ein Projekt bezüglich eines Diabeteszentrum in den Dokumentarfilm aufgenommen und gezeigt, dass zehn bangladeschische Migranten aus den USA mit ihren eigenen Überweisungen ein großes Diabeteszentrum in Hobigonj aufgebaut haben. Es steht in einem kleinen Gebiet in Hobigonj, wohin Diabeter jetzt für ihre Behandlung kommen wo sie durch dieses Projekt mithilfe der Rücküberweisung großen Nutzen erfahren haben. Darüber hinaus haben wir ein Fischereiprojekt gezeigt, das von Überweisungen unterstützt wird und wir versuchten zu zeigen, dass es viele Best Practices gibt. Wenn diese Best Practices durch die Medien oder irgendwie anders hervorgehoben werden und andere Migranten erreichen, werden mehr Menschen inspiriert, solche gute Initiativen für ihre Gemeinden zu ergreifen.

Wie ich bereits gesagt habe, hat BASUG von Null begonnen, aber jetzt hat es seinen Tätigkeitsbereich stark erweitert. Früher hatte ich eine Vollzeitstelle mit 40 Wochenstunden. Aber mittlerweile sah ich mich gezwungen, meine Arbeitszeit in meinem Job zu verkürzen, damit ich mehr Zeit für BASUG aufwenden kann. Jetzt arbeite ich vier Tage in meinem Job und habe einen Tag für BASUG frei gehalten. Dazu opfere ich zwei Tage am Wochenende für die Arbeit für BASUG. Ich erwähne das, um zu zeigen, dass sich der Arbeitsbereich von BASUG erweitert hat und wir jetzt diese ganze Reihe von Aufgaben mit begrenzten Ressourcen erledigen müssen.

Wir sind auch auf internationalen Ebene aktiv, so haben wir auch mit der Europäischen Kommission zusammengearbeitet. Wir haben ein Projekt mit dem Titel „Frauen als Unternehmer in Hobigonj“, das von den Vereinten Nationen als beste Praktik anerkannt wurde. Dann wurde es als die beste Praxis auf der Wissensmesse der Europäischen Kommission in Brüssel vorgestellt, wo etwa 500 internationale Entwicklungsexperten und Aktivisten anwesend waren.

Heutzutage ist Migration weltweit ein wichtiges Thema und BASUG ist auf internationaler und europäischer Ebene sehr bekannt für ihr Engagement und Know-how im Bereich Migration und Entwicklung. Deshalb zum Beispiel wurde BASUG 2006 für den Civil Society Day der Vereinten Nationen als einzige Migrantenorganisation aus den Niederlanden zugelassen. Das war die Gründungssitzung des Global Forum on Migration and Development (GFMD). Seit 2007 findet das GFMD statt, jedes Jahr in einem anderen Land. Regierungen, NGOs und Vertreter der Zivilgesellschaft aus verschiedenen Ländern beteiligen sich jedes Jahr an diesen GFMD-Sitzungen. BASUG ist die einzige Migrantenorganisation aus den Niederlanden, die seither zu jedem GFMD-Gipfel eingeladen wurde. Und BASUG hat sich nicht nur beteiligt, sondern auch aktiv an der Beratung teilgenommen. Als bangladeschische Diasporaorganisation können wir auch darauf stolz sein, dass die niederländische Regierung BASUG sehr ernst nimmt. Vor jedem GFMD werden einige Beratungssitzungen vom niederländischen Außenministerium organisiert und BASUG ist zu diesen Sitzungen immer eingeladen.

Das GFMD hat zwei Sitzungen – eine ist der Civil Society Day, an dem verschiedene Akteure, wie Regierungen, NGOs, die Zivilgesellschaft und Diaspora-Aktivisten teilnehmen, und eine andere ist der Government Day. Jedes Jahr sind BASUG und vier bis fünf weitere aktive Migrantenorganisationen zu den Beratungssitzungen eingeladen, damit die niederländischen Vertreter unsere Botschaften und Anregungen in den Sitzungen am  Government Day vorstellen können. In diesem Sinne sind wir in den Sitzungen mit der niederländischen Regierung nicht nur Zuhörer, sondern Partner der niederländischen Regierung.

Was ich mit BASUG tue, ist eine Art von Leidenschaft und Hobby, kann man sagen. Wie ich gesagt habe, habe ich irgendwann meine Arbeitszeit reduziert und widme sie BASUG. Außerdem habe ich immer für BASUG gearbeitet. Zum Beispiel arbeite ich am Wochenende und auch wenn ich zu Hause bin sitze ich vor meinem Laptop und arbeite für BASUG.

Arun Chowdhury: Nachdem Sie einen Arbeitstag in Ihrem Job kürzer treten und Sie für BASUG auch am Wochenende arbeiten, arbeiten Sie sicherlich mit Leidenschaft und Liebe. Aber unterstützen Ihre Familie, Frau und Kinder Sie oder was ist ihre Reaktion?

Bikash Chowdhury Barua: Sicher hätte ich es mit BASUG nicht auf dieses Level geschafft, wenn meine Familie und meine Frau mir nicht helfen würden. Ich habe zwei Kinder – eine Tochter und einen Sohn, die 19 und 11 Jahre alt sind. Durch meine Arbeit, die für BASUG und mein Schreiben, kann ich meinen Kindern und meiner Frau nur sehr wenig Zeit widmen. Deshalb haben sie sich auch oft diesbezüglich beschwert, ohne Zweifel. Aber mir hilft meine Frau wirklich viel und ohne ihre Hilfe käme ich in bei meiner Mission nicht voran. Ich arbeite nicht allein für BASUG, es gibt einen Vorstandsausschuss und meine Frau setzt sich auch sehr ein, wenn sie Zeit hat. Darüber hinaus war meine Frau schon vor mir im Entwicklungsbereich beschäftigt. Als Oxfam Novib noch Novib hieß, hat sie mehrmals für die Projekte von Novib Bangladesch besucht. Sie begleitete die niederländische Vertretung in Bangladesch und die Novib-Aktivitäten für bangladeschische Straßenkinder wurden dort gefilmt und auch auf niederländischen TV-Sendern ausgestrahlt. Als Expertin und Referentin hat sie auch an den verschiedenen Events, die in Verbindung mit Entwicklung standen, an niederländischen Schulen und Universitäten teilgenommen.

Manchmal beklagt mein Sohn, „unser Vater hat nie Zeit für uns“. Meine Frau beschwert sich auch. Sie behauptet sehr oft, dass ich länger auf meinen Laptop starre, als ich ihr ins Gesicht schaue. Trotz solcher Beschwerden bieten sie, wann immer auch nötig, ihren vollen Einsatz für BASUG an.

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