Video-Interview mit Friedensnobelpreisträger Professor Dr Mohammad Yunus

Hallo, Grüße aus Bangladesch. Ich bin sehr froh zu hören, dass BASUG ein großes Seminar in den Niederlanden zum Thema „Frauen: Zukunft in Bangladesch“ organisiert. Eigentlich sind Frauen die Zukunft von Bangladesch. Sie haben klar und deutlich gezeigt, wie sie Bangladesch geändert haben.

Über die Jahre hat sich Bangladesch eine Menge verändert wegen der Entwicklung, denen die Frauen unterlagen. Enorme Veränderungen in Bangladesch haben stattgefunden wegen der Frauen. Frauen brachten diese Änderungen sehr dramatisch in Bangladesch. Vor zwanzig Jahre war das Empowerment der Frauen auf einem sehr niedrigen Niveau gewesen. Mittlerweile unterliegt es einem dramatischen Wandel. Es ist eine Errungenschaft, die Bangladesch aufzeigen kann, dass das Empowerment der Frauen wirklich stattgefunden hat. Ihre Auswirkungen sind auch ganz offensichtlich – z.B. ist die Geburtenrate wegen des Empowerments der Frauen zurückgegangen. Vor knapp 20 Jahren betrug die Fruchtbarkeitsrate 6,7 [Kinder pro Frau], heute sind es 3,5. So können Sie sehen, wie weit die Geburtenrate gesunken ist. Es hat sich auch auf die Lebenserwartung von Frauen ausgewirkt. Bangladesch war ein Land, in dem die Lebenserwartung der Frauen viel kürzer als die der Männer war, was weltweit sehr ungewöhnlich ist. Aber jetzt hat sie aufgeholt, die Lebenserwartung der Frauen ist sogar höher als die der Männer. Das ist ein anderes signifikantes Ergebnis der Frauenförderung. Auch können Sie sehen, dass die Kinder regelmäβig in der Schule gehen. In der Grundschulbildung haben die Mädchen ebenfalls aufgeholt. Jungen und Mädchen sind in der Schule. Wir waren besorgt, ob die Mädchen in weiterführende Schulen gehen werden. Aber ein wieder sehr überraschendes Ergebnis ist, dass die Mädchen dort die Jungen zahlenmäßig bereits übertreffen.

Sie können einfach das wundervolle Ergebnis der Mikrokredite sehen. Mikrokredite sind heute fast universell in Bangladesch. 80 Prozent der armen Familien beanspruchen einen Mikrokredit. Mikrokredite bedeuten hier Anerkennung für Frauen. Sie werden von fast 100 Prozent von Frauen beansprucht. In der Grameen Bank sind 97 Prozent der Angestellten Frauen und in vielen anderen Organisationen ist es ähnlich. Frauen haben ihr eigenes Bankkonto. Frauen besitzen sogar eine Bank – wie die Grameen Bank, die armen Frauen gehört. Die Kreditnehmer der Grameen Bank besitzen die Grameen Bank. Als der Friedensnobelpreis verliehen wurde, wurde sie aufgeteilt. Die eine Hälfte ging an mich und eine andere Hälfte ging an Grameen Bank. Und als Eigentümerinnen von Grameen Bank gingen die Frauen aus den Dörfern, die Vorstandsmitglieder der Grameen Bank sind, nach Oslo, um den Friedensnobelpreis zu erhalten. Durch diese Kreditnehmer oder die Eigentümer der Grameen Bank, die die Empfängerinnen des Friedensnobelpreises sind, haben wir Frauen in Bangladesch als Nobelpreisträgerinnen. Das ist eine einzigartige Auszeichnung der bangladeschischen Frauen, dass sie Nobelpreisträgerin sind. Kurzum: Wir sind einen langen Weg gegangen. Aber wir sind noch lange nicht am Ende.

Wir wollen Frauen in allen Bereichen – in der Politik, in der Wirtschaft, in Führungspositionen, in der Verwaltung. Und Frauen zeigen ihre Fähigkeiten. Wenn Sie zu den Universitäten gehen, werden Sie sehen, wie groß die Anzahl an Mädchen in jedem einzelnen Institut ist. Das gab es vor 30 bis 40 Jahre nicht. Heute findet man sie in allen Ausbildungen und jedem Berufsfeld. Aber wir müssen weitermachen und sicherstellen, dass sie Entscheidungsbefugnisse haben, im politischen Prozess sind, mindestens die Hälfte des Parlaments und mindestens die Hälfte der anderen politischen Institutionen besetzen – jeder einzelnen Institution, die wir haben.

Darauf freuen wir uns. In diesem Zusammenhang schätze und bewundere ich die Aktivitäten, die BASUG mit dem Schwerpunkt auf Frauen in Bangladesch geplant hat. Ich wünsche dieser Konferenz viel Erfolg. Vielen Dank.

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